Anstrengende Berufe im Test (1)
Heute: Kommunalpolitiker
Oft unterschätzt werden die täglichen Herausforderungen, denen sich diese armen Menschen stellen müssen. Hinter uns liegt ein weiteres anstrengendes Wochenende, an dem wir bierernste Gespräche mit Vertretern unterschiedlichster wolfenbütteler Fraktionen führten. Uns interessierte dabei hauptsächlich, was diese oftmals sympathischen Menschen dazu treibt, gerade diesen zwielichtigen Beruf zu ergreifen.
Überraschenderweise standen die Schilderungen im krassen Gegensatz dazu, was wir uns so vorstellten. So werden die meisten Kommulapolitiker beispielsweise wenn überhaupt nur sekundär von Machtgeilheit, Geltungssucht und der Möglichkeit an billige Nutten und Drogen zu kommen angetrieben. Der am häufigsten genannte Grund, diesen Beruf zu ergreifen war Perspektivlosigkeit und eine starke Abneigung gegen jegliche Art von geregelter Arbeit. Diese Einstellung können wir zwar nachvollziehen, lächeln aber dennoch milde angesichts der überholten Vorstellungen, man müsse überhaupt irgend etwas tun. Belustigt stellten wir fest, dass es tatsächlich im Grunde zutiefst arbeitsscheue Menschen in diesen Reihen gibt, die von der “Bibel der Taugenichtse” noch nie etwas gehört haben. Wir überreichten den Interessierten in einem feierlichen Akt eine Büchersprende in Form einer Europalette voller Ausgaben von “Das Recht auf Faulheit”, geschrieben von Kalle Marxens Schwiegersohn Paul Lafargue.
Aber es wäre kein wirkliches Arbeitstreffen gewesen, wenn wir nicht auch ein Ohr für die Probleme dieser oft verkannten Berufsgruppe gehabt hätten. Und hierbei stießen wir schnell auf ein SEHR unangenehmes Kapitel, dem man sich als Kommunalpolitiker nicht entziehen kann: der Wirbel um nichts, den unsere Komikerkollegen von der IG-Stadtgraben veranstalten. Hinter vorgehaltener Hand wurden uns Situationen geschildert, die im Rahmen des neuen Anti-Stalking-Gesetzes überprüft werden sollten. Nachdem die IG-Stadtgraben Wolfenbüttel -oder Sympathisanten davon- netterweise unseren Blog noch bekannter machten, indem sie ganze Artikel daraus verschiedenen Politikern vorlegte, wirkt das Rathaus Wolfenbüttel angeblich nun an bestimmten Tagen wie ausgestorben: Immer dann, wenn die IG im Anmarsch ist. Rolläden werden hektisch heruntergelassen, Bürotüren von innen vernagelt, überall sitzen entnervte und tränenüberströmte Politiker unter ihren Schreibtischen und trauen sich kaum zu atmen, sobald sie draußen die Kreppsohlen der Langeweile quietschen hören.
Manche Politiker sind nach eigenen Angaben mit den Nerven so weit runter, dass sie beim Verlassen des Hauses immer erst hinter der Gardine vorspähen, ob nicht draußen wieder jemand mit einer Petition oder ähnlichem herumwedelt.
Vor diesem Hintergrund können wir von diesem Beruf nur abraten. So viel Geld kann dabei gar nicht rumkommen, dass man DAS ertragen kann. Unser Beileid und eine herzliche Einladung, mal in das “Recht auf Faulheit” zu schauen…..
