Blog der IG Ententeich Wolfenbüttel

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Der Linksruck der Gesellschaft

Klasse, endlich mal wieder Kommunalwahlen in Sachsen, das ist ja immer einen Aufschrei wert. Und in einer Gemeinde namens Reinhardtsdorf-Schöna ist das Desaster nun perfekt. Die NPD kassiert 25,2% der Stimmen, während alle anderen Parteien ziemlich abkackten. CDU (21,7 %), die Linke (15,6 %), FDP (4,2 %), SPD (3,7 %) und Grüne (2,8 %), lediglich die “Freien Wähler” konnten die NPD mit einem Ergebnis von 26,8% knapp toppen. Über die politische Ausrichtung dieser freien Wähler ist wenig in Erfahrung zu bringen, weshalb man auch nicht nachhakt, warum DIE denn mehr als alle anderen bekommen haben.

Aber 25% für die NPD? Das geht nun wirklich nicht! Sofort überschlug sich die von der NPD gerne als linke Systemgünstlinge bezeichnete Presse mit Erklärungsversuchen, die fast unisono in der Aussage mündeten, die NPD habe durch ihre Maskerade bei vielen Menschen den Eindruck einer ganz normalen, wählbaren Partei erweckt. Ergo handelte es sich bei 25% der Gemeindebürger und über 5% der Sachsen allgemein um irregeführte Demokraten, denen schlicht der Intellekt fehlt, die NPD als das zu erkennen, was sie wirklich ist. Kaum irgendwo vernahm man etwa die Aussage, dass es sich bei der Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna eben schlichtweg um ein braunes Nest voller idiotischer Nazis und deren Sympathisanten handelt, wie es sie gerade in der Sächsischen Schweiz (aber nicht nur dort) zuhauf gibt und die fast jeder außer besagten Knallköppen lieber meidet. Liebe “linke Systempresse”: Wir bitten doch sehr darum, deiner Rolle endlich auch mal gerecht zu werden und langsam und sachte von der Verharmlosung solcher Ergebnisse Abschied zu nehmen.

Doch schauen wir uns ein mal an, warum denn der von Konservativen bis Rechten vielbeschworene “linke Zeitgeist” so allergisch auf das Ergebnis reagiert. Etwa weil die Mehrzahl der Deutschen eben links ist und somit das xenophobe, menschenverachtende, rassistische, nationalistische bis nationalsozialistische Weltbild der NPD ablehnen? Vielleicht. Vielleicht aber auch aus anderen Gründen. Schauen wir doch mal in eine große Zeitung, die Süddeutsche. Laut der Homepage dieser Zeitung äußerte sich die Sekretärin des Bürgermeisterbüros folgendermaßen zu den Wahlergebnissen: “Wir rackern uns hier für’n Tourismus ab und dann wieder so ein Ergebnis!” . Von linker Faschismuskritik keine Spur. Die Nazis sind einfach schlicht scheiße für´s Geschäft. Neger, Jud, Muselmann, Schwule und Kommunistenschweine sind nun mal auch von Zeit zu Zeit REISENDE, die aus Angst um die körperliche Unversehrtheit nun doch lieber woanders hinfahren, anstatt ihr Geld im Urlaub einer Gemeinde zu überlassen, in der sie von mindestens einem Viertel der Bevölkerung am liebsten gelyncht würden.

Also, wenn DAS der von den Rechten vielbeschimpfte “linke Zeitgeist” ist…. dann kann sich ja sogar die SPD bald wieder “links” nennen! Das wäre sicher das geringere Übel, da sowieso niemand mehr darauf hört, wofür die SPD sich selbst hält. Es bleibt aber eher zu befürchten, dass sie sich in Zukunft um der Wählerstimmen willen doch eher real dem annähern wird, was das braune Pack gerne hören will. Womit dann sicherlich einige Erzfaschisten auf die Maskerade reinfallen werden und die SPD als ganz normal nationalistische und somit für sie wählbare Partei ansehen. Vielleicht kommt die SPD so auch in Reinhardtsdorf-Schöna beim nächsten mal über 5%.

Wer kam eigentlich auf die Idee, den “antifaschistischen Schutzwall” abzureissen? In ihm manifestierte sich doch geradezu eine sozialistische Weitsicht, die man sonst in der DDR selten fand: Nicht die DDR sollte vor den Faschisten von außen geschützt werden, sondern vielmehr die Welt draußen vor den Zonenfaschos, sollte das Experiment DDR scheitern.

Juni 10, 2008 - Verfasst von ig4ententeich | Politik | , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | No Comments Yet

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